Nicht adeliges Volk, nicht großbürgerliche Kaufmannschaft. Weder spießbürgerlicher Wohlstand, noch zünftige Handwerkerschaft sammelt sich im Haufen der "Vogelfreyen". Es sind, wie der Name schon sagt, die Randgruppen der mittelalterlichen Gesellschaft, die hier ihre Heimstatt finden.

 

Sie scharen sich um den Nachrichter, den Henker Hubertus, ein gefragter Mann, vielbeschäftigt und trotzdem ausgeschlossen aus der Gesellschaft, geächtet und bewundert. An seiner Seite, sein Weib Sabine, die immerzu bemüht ist, sein geringes Entgelt zusammenzuhalten. Dazu dann die Maid Theresa.

Neben dem Henker steht allzeit beflissen der Henkersknecht Daniel, der aus der Löwengrube.

Den Schandkarren ziehend, mühen sich der Bauernbursche Raphael und der Knecht Michael über Stock und Stein. Zu jeder Zeit werden die Züge zu Verbrennung und Folter begleitet vom rührigen Trommelschlag der Trommelschläger Markus und Sebi, die das laute Wehklagen der im Karren sitzenden Hexen Josephine und Anki zu übertönen versuchen. Doch alles Klagen ist vergebens.

Im Lager der "Vogelfreyen" bereitet die Magd Rosanna das kärgliche Mahl zu und hütet ihren Taugenichts Thomas, der trotz vieler Talente meist den Tag verschläft. Nicht zu vergessen die Gevatterin Veronika, die hin und wieder nach dem Rechten schaut, und die schönen Weiber, Anja und Kerstin, die für jeden Besucher eine Augenweide sind.

Manch Anderer fühlt sich unter den Fittichen des Henkers wohler, so der Junker Christopher mit seiner Jungfrau Mikuri, nebst anderem Gesindel.

 

Und so ist das Feld der Betätigung dieses Haufens auch sehr breit: Der Henker brennt und wenn es sein muss, dann versteht er sich auch auf die Kunst des Baders, zieht faule Zähne und angelt Bandwürmer aus den Gedärmen. Reliquien aus dem "Heiligen Land" und auch Ablassbriefe werden auf dem Markt feilgeboten und wenn es die Zeit erlaubt, werden Delinquenten im Schandkarren transportiert und "Waisenkinder" verschachert. Auch das Spiel mit dem Feuer wird kunstvoll ausgeübt und die Henkersknechte machen Jagd auf Beutelschneider und verdächtige Weiber.

 

Das also ist der Haufen, der sich hinter dem Namen verbirgt.

Nicht strahlender Ruhm, nicht Schwerterklang oder satte Völlerei also, sondern die Härte des mittelalterlichen Lebens zu zeigen ist das Ziel. Das umtriebige Leben auf der Straße und die Belustigung der Menschen am Rande der Tragödie steht im Mittelpunkt des Treibens. Bewegung auf die Märkte bringen, Spaß zu schüren und Lachen zu machen, das ist gewollt. Doch auch zum Nachdenken anregen, später dann, wenn das Lachen längst verklungen ist, wie die Zeit, die wir an den Wochenenden der "Mittelaltermärkte" zurückholen.

 

Mathis, der Schreiber